Porträt | Nominiert

Pepa Hristova

Hamburg/Deutschland www.pepahristova.com

The Bartered Bride

Konzept

In Bulgarien, einem Land, das 2007 der EU beigetreten ist, haben sich bis heute Traditionen erhalten, die dem aufgeklärten Westeuropäer merkwürdig erscheinen müssen. Ein besonderes Beispiel dafür sind die Brautmärkte, die in verschiedenen Städten regelmäßig stattfinden und auf denen junge Frauen von ihren Eltern verkauft werden.

Will ein orthodoxer Roma heiraten, kann er die passende Braut erwerben – wie eine Hochzeitstorte oder das Blumenbouquet. Ganz am Rande der Legalität, mehr geduldet als gestattet, hält die Minderheit der christlichen Roma in Bulgarien unvermindert an einem Brauch fest. Auf Heiratsmärkten, die mehrmals im Jahr stattfinden, bieten Eltern ihre jungen Töchter an. Es geht dabei auch um Liebe, vor allem aber um sehr viel Geld. Wenn zwei junge Menschen heiraten wollen, dann müssen die Eltern des Bräutigams Tausende von Euros aufbringen. Das Geld geht nicht als Mitgift an das Brautpaar, sondern bleibt als eine Art Kaufpreis in der Familie der Frau zurück. Für die Roma stellt diese Tradition eine gute Absicht dar, die Töchter in eine gesicherte Zukunft zu entlassen.

Die letzten Brautmärkte fanden auf einem vermüllten Parkplatz neben einem Zentralbahnhof statt – einem städtischen Schandfleck, der mit pittoresken bis kuriosen Stadtansichten verdeckt wurde. Die jungen Frauen waren zurechtgemacht wie Elektropop-Sängerinnen – enge Kleidung, hohe Plateaupumps, Glitzer und Gold – kein Aufwand schien zu hoch, um die Männer zu beeindrucken und einen besseren Preis zu erzielen. Im Hintergrund blieben die traditionell gekleideten Eltern, die sich einen entspannten Anschein gaben und doch ganz genau wachten - über das Schicksal ihrer Töchter.