Freie / Konzeptionelle Fotografie | Preisträger & Gesamtsieger

Matt Hulse

Edinburgh / UK https://anormalboy.wordpress.com

Sniper

Konzept

In Asien fotografiere ich Menschen von den Dächern hoher Gebäude aus. Ich verwende dazu ein billiges Mobiltelefon und eine Teleskoplinse um 9 US-Dollar. Wegen des beunruhigend bedrohlichen Gefühls und des schwarzen Humors beim Schießen dieser Fotos habe ich die Bezeichnung SNIPER gewählt. Natürlich ist durch meine Foto-Shootings niemand zu Schaden gekommen.

Bild #1: 07.01.2017 Pjöngjang, Nordkorea. Wachmann, fotografiert von Zimmer 3119 des Yanggakdo International Hotels. Das Hotel befindet sich auf Yanggak Island an einem isolierten Standort. In den Wintermonaten ist hier alles zugefroren. Internationale Touristen dürfen sich auf der Insel „frei bewegen“, es ist ihnen aber nicht erlaubt, ohne lokale Begleitung die Insel zu verlassen.

Bild #2: 11.03.2016 Kowloon, Hongkong. Fußgängerin an der Kreuzung Parkes Street und Bowring Street, fotografiert aus einem winzigen Einraum-Apartment aus dem 18. Stockwerk.

Bild #3: 12.07.2016 Gletscher Potanin, Äußere Mongolei. Britischer Mann, fotografiert beim Überqueren des Permafrosts, der die große Altai-Gebirgskette fest im Griff hält. Hier treffen Russland, China, die Äußere Mongolei und Kasachstan aufeinander.

Bild #4: 19.04.2016 Pjöngjang, Nordkorea. Frühling auf der Insel Yanggak. Dieser Soldat befindet sich nicht im Dienst. Fotografiert wurde er aus Zimmer 2010 des Yanggakdo International Hotels, wie er die Frühlingsblüten und die sanfte Brise genießt.

Bild #5: 11.03.2016 Kowloon, Hong Kong. Bewohner, fotografiert aus einem winzigen Einraum-Apartment im 18. Stockwerk eines Hochhauses, wie er eine TV-Antenne einrichtet. Die Bevölkerungsdichte in Kowloon lag 2016 bei 6.624 Personen je Quadratkilometer oder 17.156 Personen je Quadratmeile. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Hong Kong ist mit 83,74 Jahren eine der höchsten der Welt.

Interview


Vita

„Matt Hulse macht aus allem, was ihm begegnet, bestes Kino. Er verwandelt das Alltägliche und Banale in etwas Aufregendes, Witziges und Schönes.“ (Glasgow Short Film Festival, 2011)

„Zwischen Kunst und Kino komponiert Hulse seine Bilder so, wie Stockhausen Musik komponiert hat.“ (International Film Festival Rotterdam, 2001)

Matt Hulse ist ein Künstler, Filmemacher und Schriftsteller. Seine Filme wurden in zahlreichen Festivals und Galerien in über 25 Ländern weltweit gezeigt.

Zu seinen Arbeiten gehören unter anderem Time Out’s 1000 Filme bis hin zu Change Your Life (Simon Cropper 2006) und A History of Experimental Film & Video (A.L.Rees 1999). Man sieht ihn im National Media Museum (GB), in der National Library of Scotland, an der Gallaudet University (Washington DC), in der Wallace Library (Rochester, NY) und in der Fales Library (New York University).

Er wurde drei Mal für den Jarman Award und zweimal für den Margaret Tait Award nominiert.

Hulses zweiter Film in der Länge eines Features, Dummy Jim (2013), feierte seine Premiere beim Rotterdam International Film Festival (und wurde dort für einen Tiger Award nominiert) sowie beim Edinburgh International Film Festival (EIFF) (wo er für den Michael Powell Award nominiert war).

„Eine absolut einmalige Mischung aus Dokumentarfilm, Fiction und spielerisch visueller Poesie.“ (EIFF)

Er schreibt für die The Huffington Post und betätigt sich als Reiseleiter in die DPRK (nach Nordkorea) für Koryo Tours.

FILMPREISE
Audience Award 9. Dresdner Schmalfilmtage (2009)
Hoppe-Ritter Teamwork Award 21. Stuttgart Filmwinter (2008)
Kodak Animation Award San Francisco Art Institute Film Festival (2004)
Special Award for Film Split Festival of New Film (2001)
First Prize (Video) Transmediale Berlin (1999)
Scottish BAFTA™ New Talent Award (1998)

RETROSPEKTIVEN
Zajia Lab Peking (2015)
Unheard Festival Amsterdam (2011)
Nova Cinema Brüssel (2008)
ICA London (London Short Film Festival) (2007)
Festival International du Film de La Rochelle (2005)
Art Institute Chicago (Gene Siskel Film Centre) (2004)
MACBA Barcelona (L’Alternativa) (2003)
Filmfest Dresden (2002)

Jury Statement

Matt Hulses Sniper-Serie ist eine einzige Lüge – Sie stellt somit den für viele Betrachter noch anhaftenden Wahrheitsanspruch der Fotografie in Frage. Das, was man zu sehen glaubt, ist wohl weit entfernt von dem, was tatsächlich zu sehen ist. Gleichzeitig wird die Rolle des Fotografen zwischen freiem Künstler und beauftragtem Dokumentarist mit einer guten Portion Ironie und Humor unter die Lupe genommen – wie eine faszinierende Neuauflage von Alfred Hitchcocks 50iger-Jahre-Filmklassiker „Das Fenster zum Hof“. Hulse beweist mit seiner Arbeit, dass künstlerische Qualität nicht an das technische Medium gebunden sein muss. Seine bedrohlich wirkenden Aufnahmen erinnern uns nicht nur an Sequenzen eines Thrillers, sondern mehr noch an manifestierte Bilder in unseren Köpfen , wie z.B. das Kennedy Attentat in Dallas. Mit dem Blick eines Scharfschützen zeigt uns Matt Hulse auf seine eigene Art die akute Verletzlichkeit unserer globalen Gesellschaft - ein hoch aktuelles Thema.